Männerberatung

Weil Menschen in ganz Europa ein ungünstiges - seit Jahrzehnten sozialisiertes - Männerbild prägt, gibt es äußerst ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit von Männern. Eine solch starke Wirkung von einer ungünstigen, aber heroisch klingenden Sicht auf das, was Männlichkeit sein soll, lohnt es sich zu hinterfragen.

Männerberatung

2014 überraschte es Jack Urwin, dass sein Artikel so schnell und so viel Interesse fand. In „A Stiff Upper Lip Is Killing British Men“ beschreibt er etwas, dass er später auch toxische Männlichkeit nennt. Gleich zu Beginn zeigt er an einem Beispiel aus seiner eigenen Biografie, um was es geht: „‘How are you feeling, dad?‘“ I asked. „‘Better,‘ he replied, as he stood up and made his way to the bathroom to die.“

Bei einer Befragung aller ca. 500 Hilfeeinrichtungen in Thüringen durch das Pilotprojekt A4 antworteten 96% aller Teilnehmenden auf die folgende offene Frage äußerst übereinstimmend. Doch vor der Antwort für Sie zum selbst ausprobieren – was würde Sie auf diese Frage antworten?: „Was sind ihrer Meinung nach die Gründe dafür, dass es Männern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, eventuell schwerer fällt als Frauen, Unterstützung bzw. Hilfsangebote anzunehmen?“

Es ist das Bild, dass Männer „stark“ sind. Auch in den Männer selbst ist es tief verankert. Es sorgt dafür, dass Männer seltener Unterstützung aufsuchen und annehmen. In drei Bereichen zeigt es sich europa- und weltweit sehr deutlich:

  1. Männer sterben weltweit durchschnittlich fünf Jahre eher als Frauen
  2. Männer sterben häufiger an Krebs
  3. Männer bringen sich häufiger selbst um (3 von 4 Suiziden in Europa werden von Männern begangen). Insgesamt sind es jährlich allein in Europa 43.000 Männer.

Das sind konkrete Konsequenzen einer Sicht auf Männer als die „immer Starken“. Diese Sicht ist etabliert und wirkt so einleuchtend, doch die Auswirkungen sind verherrend und wirken in so viele Bereiche hinein. So gehen Männer auch weniger zu Ärzten. Mein eigener Vater begründete das z.B. so: „Was von alleine kommt, geht auch von alleine.“ Plausibel. Aber auch, wenn einem eine Auswucherung des Darmkrebs von innen sichtbar gegen den Bauch drückt? Das klingt doch eher selbstzerstörerisch.

Deswegen muss es Männerberatung geben – damit sich neben der Stärke des „stark-sein-Könnens“ auch die Stärke, des „sich-Unterstützung-nehmen-Könnens“ entwickelt. So hat Mann mehr Wahlmöglichkeiten. Wie das gelingen kann, dass schauen wir uns hier von Mann zu Mann an.

Ronny Teschner Systemischer Therapeut, Supervisior & Lehrender hat 4,90 von 5 Sternen 10 Bewertungen auf ProvenExpert.com